Buchstabe A - Legenden und Sagen

Legenden und Sagen
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Afra von Augsburg

Namenstag: 7. August
Hochfest im Bistum Augsburg
Name bedeutet: die Afrikanerin (latein.)
Märtyrerin
* auf Zypern (?) oder in Africa proconsularis, heute Tunesien und der Norden von Libyen (?)
† um 304 auf dem Lechfeld, heute Friedberg bei Augsburg in Bayern
Historisch gesichert ist die Enthauptung einer Afra nahe Augsburg unter Kaiser Diokletian um 304, wohl an der Stelle der heutigen Kirche St. Afra im Felde in Friedberg bei Augsburg.

Legenden erzählen von Afra als der Tochter des Königs von Zypern. Dieser wurde erschlagen, seine Frau Hilaria floh mit Afra nach Rom und weihte ihre Tochter der Liebesgöttin Venus. Afra träumte, sie solle Königin von Augsburg werden und bewog die Mutter, mit ihr dorthin zu ziehen. Mit drei Gespielinnen richtete sie in Augsburg ein Freudenhaus ein, Bischof Narcissus kehrte während seiner Flucht vor der Diokletianischen Verfolgung, Herberge suchend, unwissend in dieses Haus ein. Afra bereitete ihm ein Mahl und wurde von seinem Tischgebet so erschüttert, dass sie ihm zu Füßen fiel, sich bekehren und taufen ließ. Sie schloss das Bordell, worauf sie von mehreren enttäuschten Augsburgern als Christin angezeigt wurde. Die auch in Augsburg fortschreitende Christenverfolgung brachte sie ins Gefängnis und zur Verurteilung: an einen Baumstamm gebunden, wurde sie um 304 enthauptet - eine ältere Legende erzählt ihre Verbrennung auf dem Lechfeld. Ihre drei Gespielinnen und die Mutter waren auch bekehrt worden, überlebten aber das erste Martyrium und wurden dann zusammen dem Flammentod überantwortet.

Attribute: Fichtenzapfen, gekrönt an Baum gebunden oder auf brennendem Holzstoß
Patronin von Augsburg; der Büßerinnen, reuigen Dirnen und armen Seelen, der Heilkräuter; bei Feuersnot; zweite Patronin des Bistums Augsburg  
Bauernregel: An St. Afra Regen / ist für Bauern ungelegen


Agatha von Catania

Namenstag: 5. Februar
Name bedeutet: die Gute (griech.)
Jungfrau, Märtyrerin, Nothelferin
* um 225 in Catania auf Sizilien in Italien
† 5. Februar um 250 daselbst

Die Legende ohne historischen Anhaltspunkt schildert Agatha als eine wohlhabende, adlige sizilianische Jungfrau von großer Schönheit. Sie wies die Brautwerbung des Statthalters Quintianus zurück, da sie Christin sei; der nutzte den kaiserlichen Erlass zur Christenverfolgung, ließ sie verhaften und ins Bordell der Aphrodisia bringen, damit sie zur Unzucht verführt werden sollte. Diese jedoch versuchte das erst gar nicht, der Statthalter veranlasste Verhöre, Folter und sadistische Qualen: Mit den Händen an einen Balken gehängt, wurden Agatha die Brüste mit einer Zange zerrissen, mit einer Fackel gebrannt und schließlich abgeschnitten. In der Nacht erschien ihr dann Petrus im Kerker mit heilendem Balsam, aber sie wies die Erquickung zurück. Tags darauf legte man sie auf spitze Scherben und glühende Kohlen, bis ein Erdbeben die Stadt Catania erschütterte, worauf das Volk Quintianus bedrohte, bis der von Agatha abließ und sie ins Gefängnis warf, wo sie starb.
Ein von hellem Licht strahlender Jüngling erschien und legte eine Marmortafel in den Sarkophag mit der Aufschrift: Ein heiliger und freiwilliger Geist, belohnt von Gott, Rettung für das Land. Quintianus wurde alsbald von einem Pferd getreten und starb. Am ersten Jahrestag von Agathas Tod wurde der die Stadt Catania bedrohende Lavastrom des Ätna abgelenkt durch die aus dem Grab sich erhebende Marmortafel, nach anderer Überlieferung durch ihren weißen Seidenschleier, den man dem Lavastrom entgegentrug. Die Überlieferung berichtet, dass der Schleier aus ihrem Grab mehrfach bei Prozessionen vom Wind davongetragen wurde und so den Ausbruch des nahe gelegenen Ätna ankündigte.

Attribute: Fackel oder Kerze, auf einer Platte ihre Brüste tragend
Patronin von Malta, Catania und Sencelles auf Mallorca; in der Schweiz: der Feuerwehr; der Ammen, Hebammen, Hirtinnen, Weber, Bergarbeiter, Hochofenarbeiter, Goldschmiede, Glockengießer, Glaser und Hungerleidenden; gegen den Ausbruch des Ätna; bei Kinderlosigkeit und Brandwunden; gegen Krankheiten der Brüste, Fieber, Brandgefahr, Hungersnot, Unwetter, Viehseuchen, Erdbeben und Unglück
Bauernregeln: St. Agatha, die Gottesbraut, / macht, dass Schnee und Eis gern taut.
Am Agathentag rieselt's Wasser den Berg hinab.
An St. Agathe Sonnenschein, / bringt recht viel Korn und Wein.
Ist Agathe klar und hell / kommt der Frühling nicht so schnell.
Der Tag der heiligen Agathe, / der war oftmals reich an Schnee.


Agnes von Rom

Namenstag: 21. Januar
Name bedeutet: die Reine (griech.)
Jungfrau, Märtyrerin
* 245/246 oder um 291 in Rom
† 258/259 oder um 304 daselbst

Keine der jungfräulichen Märtyrerinnen genoss schon früh solche Verehrung wie Agnes. Schon der Chronograph von 354 und Ambrosius von Mailand berichteten erste Züge ihrer Legende.
Diese betont die Schönheit und Glaubenssicherheit der zwölfjährigen Agnes aus vornehmer Familie. Der Werbung des Sohnes des Stadtpräfekten Symphronius trat die vornehme Römerin ablehnend gegenüber mit der Begründung, sie sei schon verlobt. Mehrfache Nachfrage des Jünglings beantwortete sie schließlich damit, ihr Verlobter sei Jesus Christus. Agnes wurde nun vor Gericht gestellt, aber alle Vorstellungen, Bitten und Drohungen des Richters konnten ihre Standhaftigkeit nicht erschüttern. Da befahl er, sie nackt auszuziehen und zur Prostitution zu zwingen. Aber ihre langen Locken umhüllten sie wie ein dichter Mantel, ein Engel brachte ihr ein Lichtgewand, von dem das ganze Haus durchstrahlt wurde.
Der Sohn des Präfekten suchte sie dann mit seinen Gesellen im Bordell auf, geblendet wichen sie zurück; er selbst fiel, vom bösen Geist erwürgt, tot um, als er Agnes berühren wollte. Durch ihr Gebet ins Leben zurückgerufen, ließ er sie als Zauberin denunzieren. Der Präfekt wagte weder, sie zu retten, noch sie zu verurteilen, ging außer Landes und überließ sie einem anderen Richter. Dieser ließ sie im Stadion des Domitian in ein großes Feuer werfen, aber die Flammen wichen vor ihr zurück.
Da befahl der Präfekt, dass man ein Schwert durch ihre Kehle stoße. Sie wurde also getötet, wie dies mit Lämmern geschah; deshalb wird sie zusammen mit einem Lamm dargestellt, dem Symbol des Opfertodes Christi. Tatsächlich stammt der Zusammenhang von Agnes und dem Lamm wohl aus der Verballhornung ihres Namens: Agnus bedeutet lateinisch Lamm. Als Ort des Martyriums gilt der Circus Agonalis, das Stadion von Kaiser Domitian; über der Stelle der Hinrichtung erhebt sich heute die im Auftrag von Papst Innozenz X. 1652 bis 1672 gebaute Basilika Sant'Agnese in Agone an der Piazza Navona.

Attribute: Lamm, langes Haar, Schwert
Patronin der Jungfrauen, Verlobten, Kinder, Blumenbinder und Gärtner; der Keuschheit
Bauernregeln: Scheint zu Agnes die Sonne / wird später die Ernte zur Wonne!
Die Agnessonne / hat weder Kraft noch Wonne.
Sonnenschein am Agnestag, / die Frucht wurmstichig werden mag.
Zieh'n Wolken am Agnestag über den Grund, / bleibt die Ernte stets gesund.
Wenn St. Agnes gekommen, / wird neuer Saft im Baum vernom


Albertus Magnus


deutscher Beiname: der Große
auch: von Regensburg, de Lauing (von Lauingen), Theutonicus (der Deutsche), Coloniensis (von Köln)
Namenstag: 15. November
Name bedeutet: durch Adel glänzend (althochdt.)
Bischof von Regensburg, Ordensmann, Kirchenlehrer
* 1193 oder um 1206 in Lauingen an der Donau in Bayern
† 15. November 1280 in Köln in Nordrhein-Westfalen

Es war ein berühmter Mönch und hochgelahrter Doktor des Namens  Albertus Magnus, vordessen Bischof zu Regensburg und hernachmals zu Köln  am Rheine gestorben und begraben. Er war in allen hohen Künsten  erfahren, ja auch ein Baumeister. Manche sagen, daß Albertus Magnus den  Grundplan des Kölner Doms erfunden und aufgezeichnet habe, und das Chor  der vormaligen Dominikanerkirche habe er auch erbaut. In dieser Kirche  ruhten seine Gebeine, kamen aber in St. Andreas' Kirche, als jene der  Dominikaner ihre Zerstörung fand.
Im Jahre 1248 kam Kaiser Wilhelm  von Holland, Kaiser Friedrich des Zweiten Gegenkaiser, mit ziemlichem  Hofstaate gen Köln, und zwar am Tage der heiligen drei Könige, den bat,  samt seinem Hofe, Albertus in seinen Klostergarten zu den Predigern zu  Gaste. Es war große Kälte eingetreten und fiel ein starker tiefer  Schnee, da meinten die Räte und vornehmen Dienstmannen, der Mönch möge  wohl sein Gehirn erfroren haben, daß er zu solcher Jahreszeit zu einem  Gartenvergnügen einlade, und rieten dem Kaiser, ihrem Herrn, der  Einladung keine Folge zu geben. Aber der Kaiser ließ sich dazu nicht  bewegen, hieß vielmehr die Seinen ihm folgen, und kamen zu dem  Predigerkloster, wurden auch alsobald in den Garten geleitet. Da lagen  alle Bäume und Sträucher dick voll Schnee, und waren alle Wege  verschneit, und alles Laub und Gras war bedeckt, unter den Bäumen aber  standen die Tafeln mit kostbaren Gedecken und Aufsätzen und herrliche  Sessel und schmucke Diener zur Aufwartung. Dem Kaiser machte das Seltsame solcher Anordnung eine Lust, und setzte sich auf den für ihn  bereiten Stuhl, da mußten die andern sich auch setzen, und die Tafel hub  an. Da klärte sich der Himmel auf, und trat lieblicher Sonnenschein  herfür, und verging der Schnee wie ein Dunst, und hoben sich Gras und  Laub frischgrün zu Tage, und kamen Blumen aus dem Boden hervorgesproßt,  und die Bäume alle trieben Laub und Blüten. Auch Vöglein kamen geflogen  und sangen gar lieblich, und wurde sehr heiß allmählich, so daß der  Bäume Blüten abfielen und die Fruchtkeime schwollen und die Früchte  reiften. Und der Kaiser tät seine winterliche Pelzschaube ab, weil ihm  allzu warm wurde, und die andern auch die ihrigen. Da nun die Mahlzeit  mit großen Freuden geendet war, obschon niemand wußte, wer und von  wannen die zierlichen und willfährigen Diener waren und wo die Speisen  alle zubereitet wurden, da verloren sich die Diener, und die Vögel  sangen nicht mehr und entflohen, die Blumen blühten ab, die Bäume wurden  fahl, es ward kühl, dann kalt, die Winterschauben wurden wieder  umgehangen, der Kaiser hob die Tafel auf, die Sonne verschwand, der  Himmel ward grau, und auf Bäumen, Laub und Gras lag wieder Schnee. Alles  eilte in das Kloster, um im warmen Refektorium vor der Kälte gesichert  zu sein. Kaiser Wilhelm aber pries seinen kunstfertigen Wirt und begabte  ihn und den Konvent mit Gütern reichlich und erlebte nie wieder solch  wunderseltsames Gastmahl.
Quelle: Ludwig Bechstein
Kanonisation: Albertus wurde 1622 von Papst Gregor XV. selig- und am 16. Dezember 1931 von Papst Pius XI. heiliggesprochen, gleichzeitig wurde ihm der Titel eines Kirchenlehrers verliehen. 1941 erklärte ihn Papst Pius XII. zum Patron aller Naturwissenschaftler.
Patron von Lauingen und Bollstadt; der Theologen, Philosophen, Naturwissenschaftler, Medizintechniker, Studenten und Bergleute


Anastasia die Jüngere

auch: von Rom, von Sirmium
orthodoxer Beiname: die durch Arznei Befreiende,
griechisch: Φαρμακολυτρια (Pharmakolytria)
Namenstag: 25. Dezember
Name bedeutet: die Auferstandene (griech.)
Märtyrerin
* Mitte des 3. Jahrhunderts
† 25. Oktober (?) 304 in Sirmium, heute Sremska Mitrovica in Serbien

Anastasia, nach mancher Überlieferung die Schwester von Kaiser Konstantin, wurde der Legende nach von Chrysogonus bekehrt, als ihre Mutter gestorben war. Gegen ihren Willen wurde sie einem heidnischen Mann vermählt, entzog sich ihm und widmete sich, zusammen mit ihrer Magd, der Betreuung gefangener Christen. So schickte der Priester Zoilus sie auf Anweisung des ihm in einer Vision erschienenen Chrysogonus zu Agape, Chionina und Irene von Thessaloniki, um sie im Gefängnis zu trösten.
Nach dem Tod ihres Mannes kam der Hausherr und sperrte Anastasia mit ihren drei Mägden in eine Küche. In der Dunkelheit drang er ein, fiel in Wahn, küsste und umarmte Kessel, Kübel und Pfannen, bis er - erschöpft, rußgeschwärzt und mit zerfetzten Kleidern, deshalb von seinen eigenen Leuten nicht erkannt - als Narr geschlagen und mit Schmutz beworfen wurde. 1 Zur Rache wollte er den Mägden öffentlich die Kleider abreißen, aber sie klebten fest. Da ließ er die Mägde tot schlagen und Anastasia einkerkern. Sie wies alle Anfechtungen ab und wurde schließlich mit 200 Jungfrauen auf eine einsame Insel verbannt; sie aber bekehrte alle, worauf sie noch vor ihr getötet wurden.
Andere Überlieferung berichten, Anastasia sei Chrysogonus gefolgt, als der als Gefangener nach Aquileia gebracht wurde. Selbst gefangen genommen und nach Sirmium gebracht, wurde sie gefoltert, auf einem Schiffswrack gefesselt und auf dem Fluss Save treiben lassen; das Wrack aber versank nicht, worauf man sie auf dem Scheiterhaufen verbrannte.
Eine romanhafte römische Leidensgeschichte aus dem 6. Jahrhundert lokalisiert Anastasia in Rom, beschreibt sie als Schwester von Kaiser Konstantin; sie wurde dieser Legende zufolge von Chrysogonus bekehrt, nachdem sie verwitwet war und erlitt dann das Martyrium in Aquileia. Andere Legenden haben Sizilien als Ort der Martern. Im 9. Jahrhundert entstand dann die Leidensgeschichte von Anastasia der Älteren, um den Christen im Osten zu erklären, weshalb ihre Anastasia in Rom verehrt wird, dabei aber eigene Ansprüche auf Anastasia nicht preiszugeben.

Attribute: Schere, Salbgefäß / Vase, auf Scheiterhaufen oder an Pfahl gebunden
Patronin der Pressezensur, bei Kopf- und Brustkrankheiten, bei Seelennöten



Anna

Namenstag: 26. Juli
Name bedeutet: die Begnadete (hebr.)
Mutter der Gottesmutter Maria
† vor 1 (?) in Israel

Anna und Joachim waren nach apokryphen Evangelien des 2. bis 6. Jahrhunderts - erstmals im in Syrien oder Ägypten verfassten Protoevangelium des Jakobus um 150 - die Eltern der Maria und somit die Großeltern von Jesus. Die legendäre Lebensgeschichte ist dem altestamentlichen Vorbild von Hanna und ihrem Sohn Samuel (1. Samuel 1 - 2) nachgezeichnet: erst nach zwanzigjähriger kinderloser Ehe gebar Anna die Maria. Die vorangegangenen Verheißungen des Engels sind Hinweis auf die besondere Erwählung der Maria von Anfang an. Demnach war Anna königlicher Abstammung und aus dem Geschlecht Davids. Nach der Legenda Aurea hatte die betagte Anna nach Joachims Tod noch zwei weitere Ehemänner, deren Namen mit Kleophas und Salomas überliefert werden; daraus entstand die Überlieferung von der Heiligen Sippe.
Anna und Joachim wurden mit reicher Ausgestaltung in den Legenden schon in frühchristlicher Zeit dargestellt, seit dem 6. Jahrhundert wird Anna als Marias Mutter verehrt. Der Kult wurde besonders durch das Kaiserhaus in Byzanz - dem heutigen Ístanbul - gefördert, dort wurde um 550 durch Kaiser Justinian eine Anna geweihte Kirche errichtet. Im Westen wurde die Anna-Legende zunächst abgelehnt, so durch Hieronymus, Augustinus und das Papst Gelasius I. zugeschriebene Dekret.
Im 8./9. Jahrhundert verbreitete Haimo von Halberstadt die Anna-Legende im Westen. Der Anna-Kult kam dann durch die Kreuzfahrer nach Europa, er wurde v. a. durch die Franziskaner verbreitet, die gegen die Dominikaner die Lehre von der Unbefleckten Empfängnis Mariens vertraten, und unterstützt durch zahlreiche Reliquienübertragungen. Die Verehrung erreichte ihren Höhepunkt, als 1481 Papst Sixtus IV. den Gedenktag der Anna in den römischen Kalender aufnahm; 1584 bestimmte Papst Gregor XIII. ihren Festtag. Vielerorts bildeten sich Laien-Bruderschaften zur Huldigung der Großmutter von Jesus.
Das bürgerlichen Familienideal des späten Mittelalters förderte noch einmal die Verehrung Annas und der Heiligen Sippe, die Darstellungen der Annaselbdritt breiteten sich rach aus. Die Vorstellung von der mulier fortis, der starken Frau, befördert durch die Lesungen der Liturgie am Annafesttag, machte sie zur Patronin von Zünften und von Handels- und Gewerbetreibenden, sie wurde um die Vermehrung des Reichtums angerufen. Dies führte zum Schriftwort vom Schatz im Acker (Matthäusevangelium 13, 44) und daraus resultierend dazu, dass Anna zur Patronin der Bergleute wurde.

Patronin der Bretagne; von Florenz, Innsbruck und Neapel; der Mütter und der Ehe, der Hausfrauen, Hausangestellten, Ammen, Witwen, Armen, Arbeiterinnen, Bergleute, Weber, Schneider, Strumpfwirker, Spitzenklöppler, Knechte, Müller, Krämer, Schiffer, Seiler, Tischler, Drechsler, Goldschmiede; der Bergwerke; für eine glückliche Heirat, für Kindersegen und glückliche Geburt, für Reichtum und Wiederauffinden verlorener Sachen und Regen; gegen Gicht, Fieber, Kopf-, Brust- und Bauchschmerzen, Gewitter; des Bistums Opole / Oppeln, der Diözese Gliwice / Gleiwitz
Bauernregeln: Wenn am Annatag die Ameisen aufwerfen, so soll ein strenger Winter folgen.
St. Anna klar und rein / wird bald das Korn geborgen sein.
Anna warm und trocken, / macht den Bauer frohlocken.
Um St. Ann / fangen die kühlen Morgen an.
Ist St. Anna erst vorbei / kommt der Morgen kühl herbei.



Antonius von Padua

Namenstag: 13. Juni
Name bedeutet: der vorne Stehende (latein.: aus dem Geschlecht der Antonier)
Ordensmann, Kirchenlehrer
* um 1195 in Lissabon in Portugal
† 13. Juni 1231 in Arcella, heute Stadtteil von Padua in Italien

Die Legende berichtet von Antonius ans Wunderbare grenzende Begabung, sich fremden Völkern bei einem Konzil in Rom nur durch den Schwung seiner Rede verständlich zu machen. Zu den bekanntesten seiner Legenden gehört die Predigt am Ufer von Rimini: die Einwohner wollten ihn nicht hören, aber die Fische versammelten sich und streckten ihre Köpfe aus dem Wasser; dieses Wunder habe fast die ganze Bevölkerung der Stadt bekehrt.
Als jemand - in mancher Überlieferung ein Katharer - die Gegenwart Christi im Sakrament der Eucharistie bezweifelte, ließ Antonius einen Maulesel bringen, der drei Tage nichts zu Fressen bekommen hatte; das Tier fiel, ohne das gereichte Futter zu berühren, vor Antonius nieder, weil der ihm mit der Hostie entgegentrat. Papst Gregor IX. nannte Antonius, als er ihm zugehört hatte, Schatztruhe der Heiligen Schrift.
Antonius' Patronat für verlorene Sachen geht zurück auf die Überlieferung, dass ein junger Mönch - des Ordenslebens überdrüssig geworden - das Kloster heimlich verlassen und den Psalter des Antonius mitgenommen hatte. Antonius versenkte sich ins Gebet für den jungen Mönch, aber auch für die Wiedererlangung seines Buches; daraufhin wurde der Abtrünnige von Erscheinungen heimgesucht, so dass er das Buch schleunigst zurückbrachte. Das Attribut Jesuskind geht auf eine Legende zurück, nach der ein Graf - nach späterer Überlieferung sein Förderer Graf Tiso von Camposampiero - als Gastgeber des Heiligen diesen nachts aufsuchte, um sich nach seinem Befinden zu erkundigen. Aus der Kammer des Heiligen - an der Stelle des heutigen Sanktuariums delle Visione, der Erscheinung in Camposampiero - drang ein so heller Lichtschein, dass der Graf einen Brand vermutete und erschrocken die Tür aufriss. Er fand Antonius lächelnd vor, in seinen Armen das strahlende Jesuskind haltend. Der Augenzeuge durfte erst nach dem Tod des Heiligen von diesem Geschehnis berichten.

Attribute: mit dem Jesuskind, mit Fischen, mit Esel, Flamme in seiner Hand, Hostie, Monstranz
Patron von Padua, Lissabon, Paderborn, Hildesheim und Menden im Sauerland; der Armen und Sozialarbeiter, der Liebenden und der Ehe, der Frauen und Kinder, der Bäcker, Bergleute, Schweinehirten und Reisenden, der Pferde und Esel; gegen Unfruchtbarkeit, teuflische Mächte, Fieber, Pest und Viehkrankheiten; bei Schiffbruch und in Kriegsnöten; für Wiederauffinden verlorener Gegenstände, gute Entbindung und eine gute Ernte
Bauernregel: Wenn an Anton gut Wetter lacht / St. Peter viel Wasser macht.
Regnet’s am Antoniustag / wird’s Wetter später wie es mag.
Hat Antonius starken Regen / geht’s mit der Gerste wohl daneben.
Antoni, / vergiss den Lein nie!



Apollinaris von Ravenna

Namenstag: 20. Juli
Name bedeutet: dem Lichtgott (Apollon) geweiht (griech. - latein.)
Bischof von Ravenna, Märtyrer
* in Antiochia, heute Antakya in der Türkei (?)
† um 150 oder um 75 in Ravenna in Italien

Apollinaris war nach den Legenden des 7. Jahrhunderts zusammen mit Petrus aus Antiochia nach Rom gekommen und wurde dann von diesem ausgesandt, um als Glaubensbote in Ravenna zu wirken, wo er zwanzig Jahre lang Bischof war. Heiden überfielen, misshandelten und töteten ihn auf qualvolle Weise.
Nach früherer Überlieferung überlebte Apollinaris in Ravenna qualvolle Peinigungen und Verfolgung, wurde mehrmals als tot geltend fortgetragen, entkam nach Dalmatien, verkündigte auch dort das Evangelium und wendete eine große Hungersnot ab. Nach dreijähriger Wirksamkeit ist er demnach zurückgekehrt und wurde dann mit einer Keule erschlagen; am überlieferten Ort seines Martyriums wurde dann - über einem römischen Friedhof des 2./3. Jahrhunderts - die Kirche Sant'Apollinare in Classe errichtet.
Der Bericht von Apollinaris' Martyrium ums Jahr 200 stammt von Petrus Chrysologus; das Protokoll der Überführung seiner Reliquien nennt ihn nur Bekenner. Das Bestreben nach Unabhängigkeit Ravennas von Rom brachte im 7. Jahrhundert die Legende von der Einsetzung durch Petrus hervor; die Herkunft aus dem Osten dürfte aber richtig sein. Eine stattliche Zahl von Martern, Heilungen, Wundern ist in der Legenda Aurea zusammengestellt.

Attribute: Ähren, Keule, Kreuz
Patron von Ravenna, Remagen und Düsseldorf; der Nadelmacher; gegen Gallen- und Nierensteine, Gicht, Geschlechtskrankheiten und Epilepsie
Bauernregel: Klar muss Apollinaris sein, / soll der Bauer sich erfreu'n.
Klar muss Apollinaris sein, / dann bringt man gute Ernte heim.



Apollonia von Alexandria

Namenstag: 9. Februar
Name bedeutet: dem griechischen. Lichtgott Apollon geweiht (griech. - latein.)
Märtyrerin
* in Alexandria in Ägypten
† 248 daselbst

Apollonia war eine angesehene alte Frau in Alexandria, die bei einem Pogrom von der aufgehetzten Menge zusammen mit anderen Christen verschleppt wurde. Die Christen wurden aus den Häusern geholt, ihre Wohnungen geplündert und zerstört. Von Apollonia berichtete Bischof Dionysius, dass ihr die Zähne ausgeschlagen und die Kinnlade zertrümmert wurde. Man drohte ihr mit Verbrennung auf dem Scheiterhaufen und verlangte, dass sie dem Glauben abschwöre. Apollonia aber stürzte sich laut betend freiwillig in die Flammen und verbrannte.
Die Frage, ob diese Tat als Martyrium oder als Selbstmord zu werten sei, beschäftigte die junge Kirche, so Augustinus und Ambrosius von Mailand. Die gläubigen Leute sahen in ihr von Anfang an eine Heilige.
Spätere Legenden machen Apollonia zu einer römischen Fürsten- oder gar Kaisertochter oder zu einer Schwester von Laurentius von Rom, die nach Ägypten auswanderte und unter Kaiser Julian Apostata das Martyrium erlitt. Ausführlicheres erzählt das Lübecker Passional im 15. Jahrhundert davon: In einem Turm lebend wurde sie demnach von zwölf Jungfrauen bedient und hatte all ihre Gebrauchsgegenstände aus purem Gold. Christin geworden, verschenkte sie allen Schmuck, den ihr der Lieblingsbruder gegeben hatte, erzürnte damit diesen und die anderen Brüder und verweigerte auch eine Eheschließung.
Damit begann die Fülle der Martyrien von Apollonia. Träume kündigten ihr weitere Torturen an, ein Engel führte Sie deshalb zu einem Einsiedler, der sie taufte und stärkte. Fast alle auch aus anderen Legenden bekannten Martern wurden dann der Reihe nach an ihr vollzogen, immer wieder wurde sie aber von Engeln geheilt, erhielt neue Augen, neues Gehör weil ihr die Ohren mit Blei ausgegossen worden waren, neue Zähne, neue Glieder; schließlich wurde sie demnach in Persien enthauptet.
Als Patronin gegen Zahnschmerzen gilt Apollonia seit dem 13. Jahrhundert. Obschon sie laut Dionysius von Alexandria zum Zeitpunkt ihres Martyriums betagt war, wird sie fast immer als junge Frau dargestellt.

Attribute: Zange mit Zahn, sich ins Feuer stürzend
Patronin der Zahnärzte, gegen Zahnschmerzen
Bauernregeln: Ist's an Apollonia feucht, / der Winter sehr spät entfleucht.
Kommt die Jungfrau Apollonia, / sind auch bald die Lerchen wieder da.


Quelle: Ökumenisches Heiligenlexikon
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